TV-Kritik: Der Bestatter

Die siebte und finale Staffel von «Der Bestatter» ist ohne Übertreibung die beste Staffel der gesamten Serie. Leistung der Schauspieler, Drehbuch, Inszenierung, Musik, Story – die Staffel überzeugte auf allen Ebenen. Passend dazu war die letzte Folge der letzten Staffel die beste Folge. Spannend, dramatisch … alles, was es braucht. Ein würdiger Abschluss. Die eine oder andere Aktion in der Schlussfolge war vielleicht etwas überhastet, aber man wurde dadurch entschädigt, dass es der Spannung keinen Abbruch tat und die Story weitergeführt werden konnte. Besonders der Schluss war etwas flach … aber wir wollen jetzt nicht pingelig sein. Es war die beste Staffel.

Überhaupt hat sich die Serie Staffel für Staffel weiterentwickelt und an Qualität gewonnen. Schön mitzuerleben war, wie einzelne Charaktere gewachsen sind. Wir lernten zum Beispiel verschiedene Facetten von Gerichtsmediziner Alois Semmelweis kennen. Auch konnten wir während den sieben Staffeln beobachten, wie aus dem schüchternen und schrulligen Fabio Testi ein zurückhaltender und noch immer schrulliger aber ehrgeiziger und feinfühliger Bestattungsunternehmer wurde. Auch die Figur von Reto Dörig wuchs und mauserte sich vom klischiert tollpatschigen Neben-Kommissar zu einem selbstbewussten und zielstrebigen Ermittler, der selbst hoch zu Ross auf Verbrecherjagd geht.

Sehr gute Arbeit des Autorenteams

Das Ermitteln ist dabei ein nicht zu unterschätzendes Details. Bei «Der Bestatter» wurde tatsächlich ermittelt. Die Polizisten gingen Spuren nach, verhörten Verdächtige, waren auch mal auf der falschen Spur. Die Lösung des Falls wurde wirklich erarbeitet. Ganz im Gegensatz zu vielen «Tatort»-Folgen, in denen die Polizisten mehr oder weniger konzeptlos durch die Szenerie stolperten und so nebenbei ganz zufällig einen Mörder zur Strecke brachten. Giovanoli und Dörig mussten sich den Erfolg erarbeiten. Natürlich untergraben vom Totengräber.

Generell darf man den Autoren der Serie ein grosses Kompliment aussprechen. Sie haben es geschafft, einen meistens über die ganze Staffel aufzuklärenden Fall zu konstruieren und dabei gleichzeitig pro Folge je einen Mord zu klären, ohne die kleinen zwischenmenschlichen Nebenschauplätze der Hauptfiguren zu vergessen. Diese recht komplexe Rezeption ist nicht einfach und kann schnell in die Hose gehen. Es ist den Autoren dann auch nicht immer alles gelungen. Doch über das Ganze betrachtet muss man über den einen oder anderen Ausrutscher hinwegsehen. Zudem haben sie es geschafft, den einzelnen Charakteren und den Geschichten die richtige Portion Humor zu verpassen, ohne lächerlich zu wirken. Alles in allem haben die Schreibtischtäter sehr gute Arbeit abgeliefert.

Den richtigen Moment erwischt

Doch nun ist Schluss. Schade, denn eigentlich hätte ich dem Beerdiger gerne weiter zugeschaut. Aber die Entscheidung war richtig. Man soll dann aufhören, wenn die Zuschauer das Ende bedauern. Sind sie erst mal froh darüber, ist’s zu spät. Bei «Der Bestatter» hat man den richtigen Moment erwischt. Die letzte Staffel ist nicht nur die beste aller Bestatter-Staffeln, die ganze Serie war etwas vom Besten, was im Bereich Fiktion je von SRF produziert wurde. Auf dem Höhepunkt aufhören ist das einzig richtige. So bleibt man positiv in Erinnerung. Ausserdem steht mit «Wilder» eine zweite Produktion bereit, um des Bestatters Erbe anzutreten.

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