TV-Kritik: Bernegger und Juric

Die Pilotfolge von «Bernegger und Juric» wurde am 16. Dezember 2018 ausgestrahlt. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, den fiktionalen Erstling von 3+ nicht mit bekannten und erfolgreichen Schweizer Produktionen wie «Wilder» oder «Der Bestatter» zu vergleichen. Es hat nicht geklappt. Die Parallelen zu «Wilder» sind zu frappant. Wieder ein kleines, verschlafenes Bergdörfli, wieder ausschliesslich trübes Wetter, wieder eine Polizistin, die in ebendiesem Dorf aufgewachsen ist und jetzt als Ermittlerin, frisch ab Presse, dorthin zurückkehrt.

Spannende Story aber zu simple Auflösung

Die Story sonst aber ist interessant. Ein kleines Mädchen wird vermisst. Als Hauptverdächtiger hat das Dorf samt Dorfpolizist einen alten Einsiedler ausgemacht. Gegen ihn wurde auch ermittelt, als vor Jahren ein kleiner Junge im Wald erschossen wurde. Nachweisen konnte man dem schrulligen Bergler aber nichts. Juric sieht sofort einen möglichen Zusammenhang und kombiniert die beiden Fälle. Dazu kommt ein Geschäftsmann, der alleine schon durch den Darsteller Gilles Tschudi zwielichtig wirkt. Für Spannung war gesorgt.

Eher unspektakulär gestaltete sich dann leider die Auflösung des Falles. Die zwei Polizisten ermittelten zwischendurch ohne erkennbaren Grund auf eigene Faust und verfolgten unabhängig voneinander eigene Spuren. Spuren übrigens, welche auf Anhieb die richtigen waren und sofort zur Lösung beitrugen. Und zum Schluss wurde der ganze Fall durch wenige Dialoge aufgelöst. Etwas gar einfach, denn das Konstrukt hätte viel mehr als eine überhastete Auflösung zugelassen.

Noch etwas unbeholfen

Überhaupt war alles noch sehr holprig. Nicht alle Schauspieler überzeugten, wohl aber die beiden Hauptdarsteller. Tanja Lehmann gibt überzeugend die nette, verständnisvolle und ehrgeizige Jungermittlerin, Christian Schäfer den erfahrenen und schlecht gelaunten Bad Cop. Wobei man sich durchaus fragen darf, warum es schon wieder dieses doch schon langsam ausgelutschte Klischee sein muss. Beide Mimen verfügen über Film- und TV-Erfahrung. Im Gegensatz zu den Besetzungen der Nebenrollen. Aber auf ihnen herumzuhacken, wäre aber nicht korrekt und zu einfach, wurden da doch bis auf Gilles Tschudi alles mehr oder weniger unbekannte Darsteller verpflichtet. 

Nachsicht muss man auch bei den Autoren und dem Rest der Crew zeigen. Das Drehbuch, die Art und Weise, wie die Akteure handelten, der Schnitt, die Musik, überzeugte nicht auf allen Ebenen. Einiges war nicht ganz nachvollziehbar, einiges war sehr laienhaft inszeniert. Es gibt Verbesserungspotential. Löblich zu erwähnen ist jedoch, dass wackelige Handkamera-Einstellungen sehr sparsam eingesetzt wurden. Bei 3+ ist man sich aber bewusst, dass man noch viel lernen muss. Denn das Ziel ist ehrgeizig: Hochwertige Fiktion bei vernünftigem Budget. Gemäss Dominik Kaiser hat der Pilot rund 400’000 Franken gekostet. Zum Vergleich: Eine Folge «Der Bestatter» schlägt mit 750’000 zu Buche. Hochwertigkeit ist auch eine Frage des Budgets.

Fazit: Gut genug um weiterzumachen

«Bernegger und Juric» hat noch viel Luft nach oben. Wenn es den Autoren und der Regie gelingt, die Geschichten künftig runder zu erzählen und vielleicht den einen oder anderen Drehtag mehr zu veranschlagen, um einzelne Szenen besser herauszuarbeiten und den Figuren mehr Tiefgang zu geben, kann aus dem neuen Schweizer Krimi wirklich etwas werden. Ich wünsche dem Team und dem Chef Dominik Kaiser das nötige Durchhaltevermögen und freue mich schon auf die nächsten Folgen. Das Potential ist zweifelsfrei da. Und die weiteren Folgen müssen ja nicht in irgend einer von Fuchs und Hase verlassenen Bergeinöde spielen.

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