Werbung überspringen bleibt (vorerst) möglich

Der Nationalrat hat am 14. Dezember 2018 dem Werbezwang beim zeitversetzten Fernsehen eine deutliche Abfuhr erteilt. Mit 182 Nein gegen 6 Ja wurde der umstrittene Artikel 37a aus dem zu revidierenden Urheberrechtsgesetz gestrichen. 

Abstimmungsergebnis Art. 37a URG vom Nationalrat, 14.12.2018

Die zuständige Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats wollte das URG mit diesem Artikel ergänzen und es damit den TV-Stationen ermöglichen, das überspringen von Werbung beim zeitversetzten Fernsehen zu verbieten.

Art. 37a Zeitversetztes Fernsehen

1 Werden Fernsehprogramme von Dritten zeit- Streichenversetzt gemäss Artikel 19 Absatz 2 angeboten, bedarf die Möglichkeit Werbung zu überspringen, der Zustimmung des Sendeunternehmens.

2 Die Zustimmung gilt als erteilt, solange das Sendeunternehmen sie nicht explizit widerruft.

3 Der Widerruf für einzelne Sendungen ist ausgeschlossen.

Eine Minderheit der Kommission verlangte, auf diesen Artikel zu verzichten. Die grosse Mehrheit des Nationalrates war derselben Meinung. Das überspulen von Werbung bei der Nutzung der Replay-Funktion bleibt also weiterhin möglich.

Bevor das URG ohne Werbezwang inkraft treten kann, muss aber auch noch der Ständerat darüber befinden. Bei der Deutlichkeit, wie 37a aus dem Gesetz gekippt wurde, gehe ich davon aus, dass die kleine Kammer dem Nationalrat folgen wird.

Nur bedingtes Verständnis für die TV-Stationen

Auch wenn der Entscheid des Nationalrats gut für die TV-Konsumenten ist, darf man deswegen nun nicht in Euphorie ausbrechen. Es ist nur ein Etappensieg. Denn das Problem für die TV-Stationen bleibt weiterhin bestehen.

Es ist zwar nachvollziehbar, dass sie ihre Werbeplätze nicht mehr so gut verkaufen können, wenn die Möglichkeit besteht, die Werbung gänzlich zu ignorieren. Doch dass die Konsumenten ein derart grosses Bedürfnis verspüren, diese Werbung zu überspringen, liegt ganz alleine in der Verantwortung der Sender. Denn die Werbeunterbrüche wurden von Jahr zu Jahr länger und häufiger. Nur schon dieser Umstand nervt.

Doch es ist nicht nur die Werbung alleine. Denn vor allem die Privatsender haben vor vielen Jahren die Unsitte eingeführt, vor und nach jedem Werbeblock endlos erscheinende Programmvorschauen auszustrahlen. Aber nicht nur eine, sondern vier bis fünf. Und immer dieselben. Vor der Werbung und nach der Werbung. Eine unglaublich nervtötende Angelegenheit, der man nur noch durch zeitversetztes Schauen entfliehen kann. 

Bedauerlicherweise haben auch die gebührenfinanzierten Sender mit diesem Blödsinn angefangen. Zwar schalten sie nicht so viele Werbeunterbrechungen wie die Privaten, doch der Mist ist inzwischen längst geführt. Zusätzlich sind sie der Unart verfallen, ihre Sendungen nicht pünktlich zum programmierten Zeitpunkt zu beginnen, sondern erst mehrere Minuten danach. Vom SRF habe ich mal gehört, dass man sich in der Branche darauf geeinigt hat, eine 5-minütige Verspäte gelte noch immer als pünktlich. Persönlich halte ich das für Quatsch. Besonders dann, wenn SRF diese 5 Minuten gerne bis zur letzten Sekunde ausreizt. 

TV-Sender sind selber schuld

All das sind Punkte, welche die Konsumenten dazu zwingen, Sendungen auf jeden Fall zeitversetzt anzuschauen. Selbst dann, wenn der Zeitversatz nur aus 20 bis 30 Minuten besteht. Und all das sind Punkte, welche die Sender selber zu verantworten haben. Sie vergraulen ihr Publikum immer mehr. Und nur dank Replay-TV ist es dem Zuschauer überhaupt möglich, sich das Programm anzuschauen, ohne dass Suizid-Gedanken aufkommen. Die TV-Sender haben ihre Zuschauer in die Zeitversetzung getrieben. Sie sind selber schuld. Und deshalb habe ich kein Verständnis für das Geheule und Gejammer nach verlorenen Werbeeinnahmen.

Leider aber ist nicht zu erwarten, dass die Sender ihre Praktiken ändern. Und deshalb werden sie weiter Möglichkeiten suchen und sie früher oder später auch finden, dem Publikum auch bei zeitversetztem Konsum Werbung aufs Auge drücken zu können. Denn trotz allem Unverständnis bleibt es eine Tatsache, dass Werbung für die Privaten ihre einzige massgebliche Einnahmequelle ist.

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