Langsam reicht‘s mir mit der «Arena»

Gross war meine Hoffnung, als bekannt wurde, dass neu Jonas Projer die «Arena» moderieren würde. Gross war auch die Freude, dass sich der neue Moderator und gleichzeitige Redaktionsleiter sehr aktiv auf Twitter bewegte und auf Zuschauermeinungen einging.

Und heute? Von der Hoffnung ist nicht mehr viel geblieben.

Unnötige Elemente und gescheiterte Experimente

Jonas Projer hat es zwar zu Beginn tatsächlich geschafft, eine kleine Kehrtwende einzuleiten. Gleichzeitig versuchte er einige Neuerungen zu lancieren. Nicht alle waren erfolgreich. Da war dieses völlig missratene Experiment mit aktiver SocialMedia-Integration der Zuschauer, welches dank inhaltlich komplett überforderten SocialMedia-Jungstars zu einer einzigen Peinlichkeit verkam. Oder der Ausflug ins Tessin, als man unverständlicherweise die Sendung unbedingt aus einem Flüchtlingszentrum realisieren wollte und dann in eine sterile Fabrikhalle umziehen musste. Aber kein Problem, man kann das als Erfahrungssammlung abbuchen. Nicht aber den «Prüfstand». Dort nimmt der Moderator während mehreren Minuten einen Gast auseinander, ähnlich dem «heissen Stuhl», wie es ihn vor Zeiten in der «Rundschau» gab. Journalistisch sicher eine interessante Sache. Im Format «Arena» aber völlig überflüssig. Es ist überhaupt nicht nötig, dass ein Journalist die Gegenposition einnimmt und einen Politiker herausfordert. Dafür sind die anderen Gäste der Sendung da, genau deshalb lädt man Vertreter unterschiedlicher Positionen ein.

Keine Argumentation mehr möglich

Überhaupt nimmt die Moderation viel zu viel Platz ein. Das führt soweit, dass die geladenen Diskussionsteilnehmer ihre Argumente gar nicht mehr ausführen können, vergessen dann mit erklärenden Statements zu untermauern. Es bleibt oft nicht mehr viel mehr übrig, als einfach das bereits hinlänglich bekannte herunterzuleiern. Der Wortführer wird ständig unterbrochen. Aber nicht etwa nur durch unanständige Diskussionspartner der Gegenseite. Nein, die meisten Unterbrechungen gehen auf das Konto der Moderatoren. Für den Zuhörer ist das die reinste Zumutung. Man kann keiner Argumentationslinie mehr folgen, weil es gar keine mehr gibt. Man hat keine Chance, die gehörten Argumente für sich selbst zu ordnen und sich eine Meinung zu bilden. Es gibt keine direkte Gegenargumentation mehr. Da nützt es auch nichts, wenn der Moderator einordnet oder zusammenfasst. Ausserdem will ich meine Folgerungen und Zwischenfazits selber ziehen können und nicht von der Moderation vorgeplappert bekommen.

Wie bei den «Teletubbies»

Während es selbstverständlich Gründe gibt, weshalb es zu einer Unterbrechung kommen kann oder sogar muss, sind mir diese aber in der «Arena» meist verborgen geblieben. Dieses permanente Unterbrechen durch die Moderation führt derweil zu grotesken Szenen. Da widerspricht zum Beispiel ein Politiker den Ausführungen eines anderen Politikers. Dieser will natürlich sofort reagieren, wird aber vom Moderator unterbrochen, damit er das eben Gesagte zusammengefasst und in eine Frage verpackt dem angesprochenen Teilnehmer weiterleiten kann. So geht immer wieder viel Sendezeit flöten. Die Politiker haben inzwischen gemerkt, dass sie um ihr Wort kämpfen müssen und reden dann halt trotzdem weiter, obwohl die Moderation unterbrechen will und dabei auch nicht locker lässt. Somit reden viel zu oft viel zu lange mehrere Personen gleichzeitig. Für den Zuschauer ein absolutes Unding. Warum also tut man das? Hält man das Publikum für zu dumm, sich drei Sätze in einem Kontext zu merken und muss es deshalb, wie bei den «Teletubbies», unmittelbar wiederholt werden? Oder nimmt man sich als Moderator für so wichtig und geht davon aus, dass man nur auf eine durch einen Journalisten phrasierte Aussage reagieren darf/muss/kann?

Moderator ist nicht gleich Journalist

Ja, mir verfestigt sich der Eindruck, dass man in der Sendung nicht mehr zwischen der Aufgabe eines Moderators und derjenigen eines Journalisten oder Reportes unterscheiden kann. Oder will. Ein Moderator leitet das Gespräch, hält Ordnung, unterbindet zu häufiges Dazwischenreden, sorgt für Ausgleich, bindet schweigende Teilnehmer wieder in die Diskussion ein, fördert den Dialog und liefert Stichworte, falls die Diskussion ins Stocken gerät oder sich argumentativ im Kreis dreht. Aber auf keinen Fall nimmt der Moderator an der Diskussion teil. Doch leider wird in der «Arena» genau das getan. Die Moderation spricht permanent und beansprucht die meiste Redezeit für sich. Dabei ist das, was die Moderatoren zum Thema zu sagen haben, genau das, was am wenigsten interessiert.

Gezielte Manipulation der Zuschauer?

Und zu allem Übel werden auch immer viel zu viele Gäste eingeladen, die etwas sagen sollen. Das Resultat ist, dass zwar alle zu Wort kommen, aber niemand seine Beweggründe wirklich darlegen kann. Mehr Gäste, noch weniger Inhalt. Dafür werden immer mehr Erklärbär-Filmchen eingespielt. Häufig in mehreren Sendungen immer wieder dieselben und teilweise sogar inhaltlich fragwürdig. Würde man Böses denken, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Redaktion die Meinungsbildung gemäss ihrer eigenen Agenda beeinflussen und manipulieren will.

Mir reicht’s

Es macht inzwischen weder Spass, noch ist es sinnstiftend, sich die «Arena» anzuschauen, solange die Teilnehmer nur noch mit Schlagworten um sich werfen können und keine vertiefte Auseinandersetzung mehr mit dem Thema stattfindet.

Dabei wäre es so wahnsinnig einfach, dass man es fast nicht für möglich halten würde:

  • Weniger Gäste einladen
  • Gäste ausreden und ihre Positionen darlegen lassen
  • Debatte zulassen
  • Thematischer Tiefgang ermöglichen
  • Moderieren statt mitdiskutieren
  • Den Zuschauern Sachverstand zutrauen

Ist das wirklich zu viel verlangt, geschätzter Herr Projer?

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