Emoji-Wahn auf Twitter

Als sich das Jahr 2017 dem Ende neigte, machten sich bei mir das erste Mal grosse Zweifel am grundsätzlichen Nutzen von Facebook breit. Die Bullshit-Quote war schlicht zu hoch für mein Nervenkostüm. Im April 2018 versuchte ich, alle meine Facebook-Posts zu löschen; ich wollte meinen Account leeren. Die zu dieser Zeit aufschwallende Diskussion rund um Cambridge Analytica war zwar nicht der Grund dafür, hielt mich von meinem Vorhaben aber auch nicht ab. Wenige Wochen später entschloss ich mich dann jedoch, mein Facebook-Konto effektiv zu löschen. Bis heute habe ich diesen Entscheid noch nie bereut.

Ich tummelte mich viel lieber auf Twitter. Das ist nicht so ein digitaler Sandkasten wie Facebook. Ich folge Politikern, nationalen Organisationen oder Institutionen, Medienhäusern und deren Aushängeschildern, Journalisten und … ja, auch noch ein paar ganz normalen Menschen. Die Bullshit-Quote ist auf Twitter im Gegensatz zu Facebook extrem gering. Ja sogar Sinnlosigkeiten haben auf Twitter ein gewisses Niveau.

Dachte ich. Denn mittlerweile halten auch auf Twitter die pubertären Unsitten Einzug. Angefangen bei der Illustration von Textnachrichten mit blödsinnigen Memes oder dumpfbackigen animierten Gifs bis hin zur inflationären Verwendung von Emojis und Teenie-Speech.

Natürlich kann man Accounts entfolgen, die so kommunizieren. Aber wenn selbst Institutionen wie gebührenfinanzierte Medienhäuser oder andere seriöse Absender auf diesen widerlichen Trend aufspringen, wird es heikel. Weil ich solche Tweets nicht aushalte, musste ich mich beispielsweise von @SRG trennen.

Man kann mich jetzt für kleinlich halten. Die paar Mini-Bildchen tun doch niemandem weh. Doch! Meinem persönlichen Empfinden für Seriosität tut das weh. Und es stellen sich Fragen. Arbeiten an den SocialMedia-Desks nur noch 22-jährige? Und wenn ja, wieso kommt man auf die absurde Idee, SocialMedia-Kanäle nur noch von U25ern betreuen zu lassen? Geht man davon aus, dass Twitter-User ausschliesslich auf seichte Löli-Unterhaltung aus sind?

Im Moment beschränke ich mich darauf, mich von solchen Accounts zu trennen. Wenn sich dieser Trend jedoch verstärkt, werde ich mich nach einer seriösen Alternative umsehen und Twitter, wie damals Facebook, den Rücken kehren müssen.

Soziale Medien sind nicht nur für verspielte Junge.

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